Jene Nacht in Marmaris: Mehmet Çetin

Der Tod von Mehmet Çetin: die Aussagen der Personenschützer

Nach den Aussagen der Soldaten riefen die Personenschützer der Präsidentschaft — Murat Bayrak, Hamza Eroğlu und Süleyman Küççükerdoğan —, die sich in der Nacht des 15./16. Juli, während die Soldaten im Turban-Hotel vorrückten, draußen in dem Bereich neben der Villa Nr. 1782 befanden, den sich nähernden Soldaten „Halt, ergebt euch" zu und schossen mit Pistolen. Die Soldaten erwiderten dieses Feuer mit Unterdrückungsfeuer. Auch nach Angaben der Personenschützer erwiderten die Soldaten deren Aufforderung, sich zu ergeben, mit Feuer. Über die Richtung, aus der die Soldaten kamen, und den Standort dieser drei Personenschützer gibt es keine abweichende Darstellung. Strittig ist allein die Frage, wer das Gefecht begann.

Zum Tod von Mehmet Çetin wiederum gaben die Soldaten an, sie wüssten nicht, wie Mehmet Çetin getötet wurde, und sie hätten im Hotel keine schwer verletzte oder tote Person gesehen. Betrachtet man die Aussagen der Personenschützer, so ergeben sich drei verschiedene Versionen. Die erste war die Behauptung İrfan Paksoys — eines in der Personenschutzabteilung der Präsidentschaft tätigen Sondereinsatzpolizisten —, der in seiner am 16. Juli 2016 gemachten Aussage angab, den Tod Mehmet Çetins persönlich bezeugt zu haben. İrfan Paksoy sagte aus, Mehmet Çetin sei drei Stunden vor dem Eintreffen der Soldaten von ebenfalls per Hubschrauber angekommenen, als Soldaten gekleideten Personen hinter der Villa Nr. 1782 getötet worden. Die zweite Version ist die in dem am 18. Juli 2016 von den Personenschützern — unter ihnen auch İrfan Paksoy — aufgenommenen Protokoll vorgebrachte Behauptung, wonach, nachdem sich die Soldaten der Villa Nr. 1782 näherten und es zu dem kurzen Gefecht mit den Personenschützern kam, als die Soldaten zur Villa Nr. 1782 kamen, um die Personenschützer festzunehmen, ein Soldat — so die Personenschützer im Inneren der Villa — mit dem Ruf „Schießt du etwa auf einen Soldaten, Polizist, Polizist!" zwei Schüsse abgab. Die dritte — und diejenige, nach der auch das Gericht in seinem begründeten Urteil entschied — ist die Behauptung, die der Leiter des Personenschutzes Murat Bayrak am 28. Juli in seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft aufstellte, obwohl er zuvor im Protokoll etwas anderes behauptet hatte: dass Mehmet Çetin, der sich während des oben genannten kurzen Gefechts auf dem Balkon der Villa Nr. 1782 befand, infolge der Schüsse der Soldaten getötet worden sei. Wie man sieht, wurde in Bezug auf Mehmet Çetin — der am 16. Juli von einem zuvor eingetroffenen Team, am 18. Juli aus nächster Nähe von den Soldaten mit den Worten „Schießt du etwa auf einen Soldaten, was?" getötet worden sein soll — schließlich am 28. Juli vor dem Staatsanwalt von Muğla endgültig entschieden, dass er während des ersten Gefechts mit den Soldaten, auf dem Balkon stehend, aus der Ferne getötet worden sei. (Aussage İrfan Paksoys als Geschädigter vom 16.07.2016, Gemeinsames Protokoll der Personenschützer vom 18.07.2016 und Aussage Murat Bayraks bei der Staatsanwaltschaft vom 28.07.2016)

Schon allein der Umstand, dass dieselben Personenschützer innerhalb von zwölf Tagen derart unterschiedliche Aussagen darüber machten, wie Mehmet Çetin getötet wurde, zeigt, dass hier eine Unregelmäßigkeit vorliegt. Betrachten wir nun alle Aussagen, die die Personenschützer machten, sowie ihre Erklärungen vor Gericht:

Im ersten Kapitel habe ich dargelegt, dass die Blutspuren von Mehmet Çetin hinter der Villa Nr. 1751 gefunden wurden, im Umkreis der Villa Nr. 1782 hingegen keine Blutspur von Mehmet Çetin vorhanden war. Folglich erscheinen alle drei Behauptungen der Personenschützer und des Gerichts, wonach Mehmet Çetin in der Umgebung der Villa Nr. 1782 — in deren Umkreis das Gefecht mit den Soldaten stattfand — getötet worden sei, nicht stimmig. Dennoch lohnt es sich, diese Behauptungen einzeln zu untersuchen:

Die Behauptung des Personenschützers İrfan Paksoy

İrfan Paksoy, der von sich behauptet, der einzige Augenzeuge der Tötung Mehmet Çetins zu sein, war zugleich der erste Personenschützer, der eine Aussage machte. In seiner am 16. Juli zwischen 07:40 und 08:10 Uhr gemachten AussageAussage İrfan Paksoys als Geschädigter vom 16.07.2016: Aussage İrfan Paksoys als Geschädigter vom 16. Juli 2016. gab er an, dass Soldaten, die am 16. Juli zwischen 00:00 und 00:30 Uhr mit drei Hubschraubern kamen, Mehmet Çetin getötet hätten. Die wegen der Tötung Mehmet Çetins verurteilten Angeklagten hingegen waren erst gegen 03:00 Uhr nachts in Marmaris eingetroffen. Nach der Aussage İrfan Paksoys müssen also diejenigen, die Mehmet Çetin töteten, andere gewesen sein und nicht die Angeklagten. Dennoch ließ das 2. Strafgericht für schwere Strafsachen in Muğla die Aussage İrfan Paksoys — der von sich behauptet, der einzige Zeuge des Geschehens zu sein — unberücksichtigt und verurteilte die Angeklagten jeweils zu erschwerter lebenslanger Freiheitsstrafe, mit der Begründung, sie hätten in Mittäterschaft gegen Mehmet Çetin die ihnen zur Last gelegte Straftat der „vorsätzlichen Tötung wegen der von ihm wahrgenommenen öffentlichen Aufgabe" (türk.: „Yerine Getirdiği Kamu Görevi Nedeniyle Kasten Öldürme") begangen. Das Gericht ließ die Aussage İrfan Paksoys nicht nur unberücksichtigt, sondern lud İrfan Paksoy auch nicht vor, um vor Gericht auszusagen. Es sah keine Notwendigkeit, zu untersuchen, warum er diese Aussage machte. Tatsächlich nahm an dem in Muğla geführten Verfahren kein einziger Personenschützer teil. Interessant, aber wahr: Die angeklagten Soldaten wurden verurteilt mit der Aussage, Mehmet Çetin sei während des Gefechts zwischen den Personenschützern und den Soldaten getötet worden — doch vor Gericht wurden die Personenschützer kein einziges Mal gehört und den Angeklagten nicht gegenübergestellt. Ebenso wurden die Polizisten der Kreispolizeidirektion Marmaris und die İzmirer Sondereinsatzpolizisten, die an dem Gefecht vor dem Casa-de-Maris-Hotel beteiligt waren, vor Gericht nicht gehört und den Angeklagten nicht gegenübergestellt. In dem 2022 in İzmir verhandelten Verfahren wegen Raubes und Freiheitsberaubung wiederum erschienen zwar die übrigen Personenschützer vor Gericht, İrfan Paksoy jedoch erschien erneut nicht — mit der Begründung, er sei in Indien im Dienst. Dabei hätte er sich von der Botschaft in Indien aus per SEGBİS (dem Videokonferenzsystem der türkischen Justiz) per Video zuschalten können.

Betrachten wir nun die Aussage İrfan Paksoys: Ein auffälliger Punkt in der Aussage ist, dass Erdoğan gerade in der Zeit zwischen 00:00 und 00:30 Uhr, in der Paksoy das Eintreffen der Hubschrauber verortet, eine Presseerklärung abgab und sich über die App FaceTime zu den Sendern CNN Türk und A Haber zuschaltete. Erdoğan gab zwischen 00:04 und 00:11 Uhr vor der Villa, in der er sich in Marmaris aufhielt, eine Erklärung gegenüber Pressevertretern abErdoğans Presseerklärung vor der von ihm bewohnten Villa im Marmaris Turban-Hotel (Text und Video): Erdoğans Presseerklärung vor der Villa, in der er im Marmaris Turban-Hotel wohnte (Text). Link zum Video: Erdoğans Presseerklärung vor der von ihm bewohnten Villa im Marmaris Turban-Hotel (Text und Video). Nach dieser um 00:11 Uhr beendeten Presseerklärung betrat Erdoğan, wie zu sehen ist, gemeinsam mit dem Gouverneur von Muğla, Amir Çiçek, die Villa und schaltete sich zwischen 00:24 und 00:30 Uhr aus einem Zimmer der Villa — an seiner Seite Energieminister und Schwiegersohn Berat Albayrak, der Gouverneur von Muğla Amir Çiçek und Büroleiter Hasan Doğan — über die FaceTime-Telefon-App zum Fernsehsender CNN Türk und rief das Volk auf die Plätze. Anschließend schaltete er sich nacheinander zwischen 00:33 und 00:37 Uhr zu A HaberErdoğans Live-Schaltung zu A Haber. Link: Erdoğan — Live-Schalte bei A Haber, zwischen 00:44 und 00:47 Uhr zu NTVErdoğans Live-Schaltungen per FaceTime zu Fernsehsendern, allen voran NTV (Video). Link: Erdoğan — Live-Schalte bei NTV und schließlich gegen 00:50 Uhr zu TGRT HaberAufnahme aus Erdoğans Live-Schaltung zu TGRT. Link: Erdoğan — Live-Schalte bei TGRT und wiederholte ähnliche Aufrufe.

Unterdessen hatte sich zwischen 00:00 und 01:30 Uhr eine Menschenmenge von mehreren Hundert Personen — mehrheitlich Angehörige der AKP-Kreisorganisation — am Eingang des Turban-Hotels versammeltKameraaufzeichnungen der am Eingang des Turban-Hotels versammelten Menge (aus dem DVR-Geräte-Untersuchungsbericht der Adli Bilişim Şube Müdürlüğü [Abteilung für digitale Forensik]): Kameraaufnahmen der am Eingang des Turban-Hotels versammelten Menge (entnommen dem Untersuchungsbericht der Abteilung für digitale Forensik zu dem zum Turban-Hotel gehörenden DVR-Gerät der Marke Unimo, Modell UDR-716CE, Seriennummer 121249334)..

Wären, wie İrfan Paksoy in seiner Aussage angibt, zwischen 00:00 und 00:30 Uhr drei Hubschrauber gekommen und hätten Soldaten an der Küste abgesetzt, und wären diese Soldaten in das Turban-Hotel eingedrungen, hätten einen der Personenschützer der Präsidentschaft getötet und die übrigen festgenommen, so hätte Erdoğan wohl kaum zur selben Zeit die oben genannten Schaltungen vornehmen können, und die vor dem Hotel versammelte Menge wäre all dem Geschehen wohl nicht gleichgültig geblieben. Die Behauptung, zwischen 00:00 und 00:30 Uhr seien drei Hubschrauber gekommen, steht im Widerspruch dazu, dass von den Hunderten vor dem Hotel versammelten Bürgern nicht ein einziger Beitrag in den sozialen Medien zu diesem Vorgang verfasst wurde.

Tatsächlich antwortete Erdoğan, als er um 00:37 Uhr live bei A Haber sprach, auf die Bemerkung des Moderators „Es gibt Spekulationen über Ihre GesundheitErdoğans Live-Schaltung zu A Haber. Link: Erdoğan — Live-Schalte bei A Haber" und, als er um 00:48 Uhr bei NTV sprach, auf die Frage „Gab es eine Aktion gegen Sie?" mit den Worten „Davon kann keine Rede seinEine Aufnahme aus Erdoğans Live-Schaltung zu NTV. Link: Erdoğan — FaceTime-Schalte bei NTV".

Darüber hinaus wurde die Behauptung aufgestellt, Erdoğan habe die Presseerklärung früher abgegeben und der Lokaljournalist Temel Irmak habe sie um 00:04 Uhr so ausgestrahlt, als wäre sie live. Diese Behauptungen wurden zudem auf vielerlei Weise geäußert — etwa, dass Erdoğan in Wirklichkeit gar nicht in Marmaris gewesen sei, dass er gegen 23:30 Uhr, noch vor dem Eintreffen der als Soldaten auftretenden Personen zwischen 00:00 und 00:30 Uhr, abgereist sei und dass er nicht mit dem ATA-Flugzeug, sondern mit dem Hubschrauber nach İstanbul gekommen sei. Auf der nachstehenden Fotografie, die der Reporter Sabri Kesen während der Presseerklärung aufnahm, ist das Telefon Temel Irmaks zu sehen — das weiße Telefon ganz rechts. Auf der Fotografie wurde festgestellt, dass auf Temel Irmaks Telefon, während er die Aufnahme machte, die Facebook-Anwendung geöffnet war, ein Live-Übertragungssymbol zu sehen war und die auf dem Bildschirm sichtbaren Kommentare zur Übertragung mit den Kommentaren des auf Temel Irmaks Facebook-Konto vorhandenen Livestream-Beitrags übereinstimmten; daraus wurde geschlossen, dass Temel Irmak die Übertragung zwischen 00:04 und 00:11 Uhr durchführte. Folglich gab Erdoğan die Presseerklärung in der Villa im Turban-Hotel zu eben diesen Zeiten ab. Berücksichtigt man, dass er sich anschließend um 00:24 Uhr zu CNN Türk zuschaltete, so zeigt sich, dass er um 00:11 Uhr die Presseerklärung beendete und mit dem Gouverneur die Villa betrat; es erscheint nicht möglich, dass er innerhalb von 13 Minuten an einen anderen Ort wechselte und sich zu CNN zuschaltete. Ein weiteres Indiz hierfür ist, dass — obwohl, als die Soldaten gegen 03:00 Uhr kamen, etwa 50 Personen, darunter teils Touristen, die im Turban und im Casa de Maris wohnten, wo sich die Ereignisse abspielten, insbesondere auf Twitter Beiträge darüber verfassten, Hubschrauber gehört bzw. gesehen und Schüsse sowie eine Bombenexplosion wahrgenommen zu haben — es vor 03:00 Uhr keinen einzigen Beitrag darüber gibt, dass ein Hubschrauber gekommen sei und ein Gefecht stattgefunden habe. Es gibt etwa 10 Twitter-Beiträge, die entstanden, als Erdoğans Hubschrauber gegen 00:00 Uhr von der Okluk Koyu (Bucht von Okluk) nach Marmaris kam und gegen 01:15 Uhr wieder abflog. Diese erwähnen jedoch keine ungewöhnliche Lage wie ein Gefecht oder eine Bombenexplosion. Zudem ist in den Sicherheitskameraaufzeichnungen des Turban-Hotels zu sehen, dass gegen 01:15 Uhr ein Dienstfahrzeug mit Eskorten das Hotel verließ, gegen 03:30 Uhr die Soldaten zum Hotel kamen und gegen 04:20 Uhr das Hotel wieder verließenKameraaufzeichnungen des Turban-Hotels, die die Abfahrt des Dienstfahrzeugs und die Ankunft der Soldaten zeigen (aus dem DVR-Geräte-Untersuchungsbericht der Adli Bilişim Şube Müdürlüğü): Kameraaufnahmen, die die Abfahrt des Dienstfahrzeugs und das Eintreffen der Soldaten zeigen.. Aus diesem Grund wurde eingeschätzt, dass bei der Aufnahme bzw. Protokollierung der Aussagen bei der Kreispolizeidirektion Marmaris die Aussagen einiger Zeugen oder die Zeitpunkte ihrer Aussagen verändert worden sein könnten oder in ihre Aussagen eingegriffen worden sein könnte. Bei Personen, die mehr als eine Aussage machten, gibt es Beispiele dafür. So gaben etwa die Rettungssanitäter des 112 in ihren nach dem Vorfall am 18. Juli gemachten Aussagen an, die Kommandozentrale habe sie um 03:49 Uhr zum Turban-Hotel entsandt, weil ein Gefecht ausgebrochen sei — in ihren 2017 als Geschädigte vor Gericht gemachten Aussagen hingegen gaben sie an, die Kommandozentrale habe sie gegen 01:00 Uhr entsandt, weil aus einem Hubschrauber Feuer eröffnet worden sei. In den Telefonverbindungsnachweisen des Rettungsdienstes 112 gibt es jedoch, obwohl andere Einträge vorhanden sind, keinen Eintrag darüber, dass sie gegen 1 Uhr zum Turban-Hotel gekommen wären. Dieses Thema wird später gesondert und im Einzelnen behandelt.

Kurz gesagt, es zeigt sich, dass der Teil der Aussage İrfan Paksoys, „das Geschehen habe sich zwischen 00:00 und 00:30 Uhr zugetragen", nicht möglich ist. In der Aussage schildert er anschließend, was sich nach dem Eintreffen des Hubschraubers ereigneteAussage İrfan Paksoys als Geschädigter vom 16.07.2016: Aussage İrfan Paksoys als Geschädigter vom 16. Juli 2016., zusammengefasst:

„Wir warteten mit allen meinen Teamkameraden in der Villa Nr. 1782; die Hubschrauber setzten Soldaten im Küstenbereich ab, und auch wir bezogen in der Villa Nr. 1782 Stellung; in der Annahme, dass die Soldaten auch von hinten kommen könnten, gingen wir zusammen mit Mehmet Çetin zum hinteren Teil des Zimmers (zur Waldseite); als wir durch die Gartentür hinaustraten, trafen wir auf die Soldaten, die Soldaten begannen zu feuern, ich ging auf die rechte Straßenseite, Mehmet Çetin blieb auf der linken Straßenseite, sowohl hinter als auch vor Mehmet Çetin waren Soldaten, und sie näherten sich unter Feuer; ich rief Mehmet Çetin zu, er solle zu mir kommen, wegen des heftigen Feuers konnte er nicht kommen; nach dem heftigen Feuer entfernten sich die Soldaten von Mehmet Çetin und gingen zu meinen Kameraden, die sich im Zimmer Nr. 1782 befanden. Als die Soldaten von dort weggingen, ging ich rufend zu der Stelle, an der ich Mehmet Çetin zuletzt gesehen hatte, aber Mehmet Çetin war nicht dort. Danach ging ich zu meinen Kameraden im Zimmer Nr. 1782, gemeinsam mit ihnen suchten wir Mehmet Çetin und fanden ihn vor dem Balkon des Zimmers Nr. 1782 im Gebüsch. Er hatte eine Wunde am Rücken, eine unterhalb des Brustkorbs und eine am Bein."

Das Erste, was sich zu diesem Teil der Aussage sagen lässt, ist, dass bei der Tatortuntersuchung an der Stelle, an der İrfan Paksoy Mehmet Çetin dem Feuer der Soldaten ausgesetzt sah — also hinter der Villa Nr. 1782 —, keine Blutspur von Mehmet Çetin gefunden wurde.

Zweitens: Wenn Mehmet Çetin, wie İrfan Paksoy sagt, hinter der Villa Nr. 1782 angeschossen wurde und sich vor dem Balkon an der Vorderseite der Villa Nr. 1782 befand, dann ist er entweder selbst verwundet dorthin gegangen und dort zu Boden gestürzt oder von den Soldaten von der Rückseite der Villa Nr. 1782 auf deren Vorderseite getragen worden. In beiden Fällen hätte Mehmet Çetin, der schwer an Brust, Lende und Bein verwundet war, bluten müssen, bis er von der Rückseite der Villa Nr. 1782 zu ihrer Vorderseite ging oder getragen wurde, und entlang dieser Route hätten Blutspuren gefunden werden müssen. Doch sie wurden nicht gefunden. Wie im ersten Kapitel erwähnt, wurden die Blutspuren von Mehmet Çetin hinter der Villa Nr. 1751 und in dem Bereich zwischen der Villa 1751 und dem Standort des Krankenwagens (in 15 Metern Entfernung von der Villa 1782) gefunden.

Drittens: İrfan Paksoy sagt in seiner Aussage: „Als ich mit allen meinen Teamkameraden im Zimmer Nr. 1782 des Hotels wartete, hörte man von draußen Hubschraubergeräusche, wir versuchten zu verstehen, was los war, als wir nach draußen sahen, sahen wir, dass die Hubschrauber im Küstenbereich getarnte, schwer bewaffnete Soldaten absetzten, wir bezogen sofort im Zimmer Stellung, danach gingen wir, in der Annahme, dass die Soldaten auch von hinten kommen könnten, zusammen mit meinem Teamkameraden, dem Sondereinsatzpolizisten Mehmet ÇETİN, zum hinteren Teil des Zimmers, als wir nach hinten durch die Gartentür hinaustraten, sahen wir, dass die Soldaten auf die Seite zukamen, auf der wir mich befanden." Doch die Rückseite der Villa Nr. 1782 ist ein Ort, an dem sich die Villen Nr. 1780–81 befinden. Dass die Soldaten von hinten kamen, erscheint nicht möglich. Wäre die Rückseite eine freie Fläche, so wäre es möglich. An die Rückseite der Villa 1782 könnte von der Seite jemand kommen — entweder von der Seite der Villa 1785 oder von der anderen Seite, also von ihrer eigenen Seite, der Seite der Villa 1782. In der Villa 1785 befinden sich ohnehin Personenschützer wie Burak Güzel und Uğur Göküz. In der Villa 1782 sind sie selbst. Es ist ausgeschlossen, dass sie Personen, die zur Rückseite kommen könnten, nicht sähen. Zudem gibt es an der Rückseite der Villa 1782 keinen Garten. Im Erdgeschoss führt der Ausgang auf einen etwa 2 Meter breiten, betonierten Pfad, im Obergeschoss führt der Ausgang über die Treppe auf einen ähnlichen, diesmal jedoch etwas breiteren Pfad. Einen Garten gibt es nicht. Daher drängt sich der Gedanke auf, dass diese Aussage İrfan Paksoys eine Aussage sein könnte, die konstruiert wurde, um zu behaupten, Mehmet Çetin sei „in der Villa Nr. 1782" getötet worden — an einem Ort, der plausibel erscheinen konnte, weil in seiner Umgebung ein Gefecht mit Soldaten stattfand, neben ihm eine Bombe gezündet und seine Tür aufgebrochen wurde.

Viertens: Die anderen Personenschützer müssten gehört haben, wie İrfan Paksoy Mehmet Çetin zurief, er solle zu ihm kommen, und wie er rief, als er nach dem Abzug der Soldaten zu der Stelle ging, an der er Mehmet Çetin zuletzt gesehen hatte. Doch kein einziger Personenschützer erwähnte in seiner Aussage einen derart wichtigen Umstand.

Fünftens: İrfan Paksoy sagt: „Mehmet Çetin war auf der linken Straßenseite, ich auf der rechten. Die Soldaten näherten sich unter Feuer von vorn und von hinten an Mehmet Çetin." Wenn die Soldaten vor und hinter dem auf der linken Straßenseite befindlichen Mehmet Çetin waren, dann wären sie auch vor und hinter dem auf der rechten Straßenseite befindlichen İrfan Paksoy. Sie müssten auch ihn gesehen haben. Obendrein sagt İrfan Paksoy: „Ich rief Mehmet Çetin zu, er solle zu mir kommen." Als er ihm zurief, hätte er seine Position preisgegeben. In diesem Fall hätten die Soldaten, die Mehmet Çetin töteten, auch ihn getötet. Der Weg, von dem er spricht (die Rückseite der Villa 1782), ist ein schmaler Weg von etwa 2 Metern Breite. Auf diesem Weg gibt es keinen Ort, an dem sich İrfan Paksoy hätte verstecken können. Wenn zudem sowohl vor als auch hinter Mehmet Çetin Soldaten standen, wie konnten sie auf Mehmet Çetin feuern, ohne einander zu treffen?

Sechstens: İrfan Paksoy sagt, er habe den Hubschrauber mit der Wärmebildkamera an seinem Gewehr betrachtet. Er selbst ist Sondereinsatzpolizist. Er dürfte ein Schießexperte sein. Er verfügt über die Möglichkeit, unter nächtlichen Bedingungen mit einer Wärmebildkamera aus der Ferne einen wirksamen Schuss abzugeben. Insofern ist auch ein Fragezeichen, warum İrfan Paksoy, der mit der Wärmebildkamera über Nachtsicht verfügte, nicht auf die Soldaten feuerte, die seinen Kameraden töteten.

Siebtens: Während alle anderen Personenschützer sagen, sie hätten gesehen, dass Mehmet Çetin durch ein Geschoss am Bein und durch zwei Geschosse an der Brust verletzt wurde, sagt İrfan Paksoy, er sei am Rücken, unterhalb des Brustkorbs und am Bein verletzt worden. Die einzige Person, die wie İrfan Paksoy sagt, Mehmet Çetin sei am Rücken verletzt worden, ist Özkan Özel. In den 112-Anrufaufzeichnungen gibt die Person, die um 04:38 und 04:46 Uhr wegen Mehmet Çetin den Rettungsdienst anrief, an, ihr Name sei Özkan Özel. In der Aufzeichnung sagt Özkan Özel, er sei kein Polizist. Für einen Zivilisten spricht er jedoch sehr autoritär. Er sagt, es gebe 4–5 Verletzte und die Polizeibeamten kümmerten sich um andere Verletzte. Doch die Personenschützer erwähnen, wenn sie den Moment schildern, in dem sie Mehmet Çetin fanden, keine andere Person. Zudem wird die Aussage dieser Person nicht aufgenommen, und ihr Name taucht auch nicht unter dem in jener Nacht im Turban-Hotel diensthabenden Personal auf. Während selbst die Aussage des Bäckers aufgenommen wurde, der angibt, in jener Nacht im Turban-Hotel am Ofen Brot gebacken, das Haus nie verlassen und nur die Hubschraubergeräusche gehört zu haben, zeigt der Umstand, dass die Aussage Özkan Özels — der den Rettungsdienst 112 rief, als Mehmet Çetin verwundet war — nicht aufgenommen wurde, dass die Ermittlung unvollständig geführt wurde.

Achtens: Nach der Schilderung İrfan Paksoys gingen die Soldaten zu den Personenschützern in der Villa Nr. 1782; als sie von dort weggingen, ging İrfan Paksoy rufend zu der Stelle, an der er Mehmet Çetin zuletzt gesehen hatte, Mehmet Çetin war nicht dort, danach ging er zu seinen Kameraden in der Villa Nr. 1782. Das heißt, die Soldaten betraten und verließen die Villa Nr. 1782 und gingen von dort weg. Die Personenschützer hingegen blieben in der Villa Nr. 1782. Nur İrfan Paksoy und Mehmet Çetin gingen nach draußen, Mehmet Çetin wurde getötet, İrfan Paksoy wartete draußen, bis die Soldaten hinauskamen. Doch nach den Aussagen der übrigen 21 Personenschützer und der Soldaten trug sich das Geschehen nicht so zu.

Da die Aufnahmen der Überwachungskameras im Inneren des Hotels nicht in die Verfahrensakte gelangten, können wir nur auf Grundlage der Aussagen erahnen, was die Soldaten und die Personenschützer erlebten. Aufnahmen, die die Außenbereiche des Turban-Hotels zeigen, sind vorhanden, doch Aufnahmen der Innenbereiche liegen nicht in der Akte vor. Fassen wir vor diesem Hintergrund die Aussagen der Soldaten und der Personenschützer als Ganzes zusammen und greifen ihre Gemeinsamkeiten heraus, so stellt sich das Geschehen im Inneren des Hotels zusammengefasst wie folgt dar:

Als die Soldaten sich von der Küste her näherten, empfingen Murat Bayrak, Hamza Eroğlu und Süleyman Küççükerdoğan sie vor der Villa Nr. 1782, forderten sie zur Aufgabe auf, und es kam zu einem etwa einminütigen Gefecht zwischen ihnen. Die Personenschützer flüchteten in die Villa Nr. 1782. Dabei wurde der Personenschützer Hamza Eroğlu durch einen Splittertreffer verletzt. İsmail Yiğit zündete neben dem Fenster der Villa eine schall- und druckwirkende Offensivhandgranate. Şükrü Seymen bluffte mit dem Ruf „Bringt den Raketenwerfer!". Als er sagte „Wenn ihr nicht herauskommt, feuern wir einen Raketenwerfer hinein", ergaben sich zuerst Murat Bayrak und dann die übrigen Personenschützer in der Villa 1782. Die Soldaten durchsuchten auch die Villen 1785, 84 und 83 und brachten die in der Villa 1785 befindlichen Personenschützer ebenfalls neben den Relax-Pool. Hier wurden die Personenschützer durchsucht und entwaffnet und weiter nach hinten gebracht, in den Bereich näher an der Küste, wo sich die MAK (Kampf-Such- und Rettungseinheit) befanden. Beim Verlassen der Villa 1782 führte der Personenschützer Burak Yiğit einen Teil der Soldaten in die Villa Nr. 1922, die Erdoğan „angeblich" für eine Besprechung nutzte. Hier befanden sich der Praktikant des privaten Sicherheitsdienstes des Hotels, Sefa Toskar, dem Burak Güzel zuvor gesagt hatte „Geh hinein und versteck dich", sowie ein weiterer Personenschützer. Die Soldaten nahmen Sefa und diesen Personenschützer und brachten sie zu den anderen Personenschützern. Sie hatten sich vergewissert, dass Erdoğan nicht im Hotel war. Danach verließen sie das Turban-Hotel, um in den auf sie wartenden Hubschrauber zu steigen.

İrfan Paksoy hingegen sagt, die Soldaten seien, während er mit seinen Teamkameraden in der Villa 1782 wartete, gekommen und hätten Mehmet Çetin erschossen, noch bevor überhaupt eine Aufforderung zur Aufgabe erging. Er lässt die Ereignisse mit dem Tod Mehmet Çetins beginnen. Von dem, was danach geschah — das Legen der Bombe, die Kapitulation, das Kriechen am Boden, das Anlegen der Handschellen —, erwähnt er nichts.

Im Ergebnis wird die Aussage İrfan Paksoys als nicht glaubwürdig eingeschätzt — weil er behauptet, Erdoğan, der das Hotel am 16. Juli gegen 01:15 Uhr verließ, sei um 23:30 Uhr abgereist; weil er behauptet, während Erdoğan zwischen 00:04 und 00:55 Uhr vor dem Hotel und in Fernsehschaltungen Erklärungen abgab, hätten per Hubschrauber gekommene Soldaten Mehmet Çetin getötet; weil sich hinter, um und vor dem Balkon an der Vorderseite der Villa Nr. 1782 keine Blutspur von Mehmet Çetin fand; und weil niemand — auch die Personenschützer nicht — das Geschehen so schildert, wie İrfan Paksoy es schildert.

Die Behauptung im Protokoll der Personenschützer

Von den Personenschützern, die im Turban-Hotel geblieben waren, obwohl Erdoğan es verlassen hatte, wurde am 18. Juli ein Protokoll aufgenommenGemeinsames Protokoll der Personenschützer vom 18.07.2016: Gemeinsames Protokoll der nach Erdoğans Abreise im Hotel verbliebenen Personenschützer vom 18.07.2016.. In diesem Protokoll schilderten sie zusammengefasst: Erdoğan und seine Familienangehörigen hätten das Hotel gegen 01:00 Uhr verlassen; während sie sich danach auf die Evakuierung vorbereiteten, sei ein Hubschrauber gekommen; sie hätten in den Villen Nr. 1782 und 1785 Stellung bezogen; gegen 03:00 Uhr seien die Soldaten gekommen; zwischen ihnen und den Soldaten sei es zu einem Gefecht gekommen; während die Personenschützer sich ergaben, seien auf einen ihrer Kameraden außerhalb des Zimmers zwei Schüsse abgegeben worden, wobei ein Soldat „Du schießt also auf einen Soldaten, Polizist, Polizist!" gerufen habe; die Soldaten hätten alle Personenschützer gefesselt und in Gewahrsam genommen; nachdem die Soldaten weggegangen seien, hätten sie sich im Zimmer versammelt; sie hätten Mehmet Çetin am vorderen Teil des Balkons des Zimmers angeschossen am Boden liegend gefunden; sie hätten den Rettungsdienst 112 gerufen; während Mehmet Çetin und zwei weitere Leichtverletzte mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht wurden, sei gegen 04:15 Uhr aus einem Hubschrauber das Feuer auf den Krankenwagen und die Personenschützer eröffnet worden; nach diesem etwa eine Stunde dauernden Angriff sei Mehmet Çetin mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht worden. Sie hielten protokollarisch fest, dass ihre Waffen und verschiedene Ausrüstungsgegenstände abhandengekommen seien, und unterzeichneten, indem sie 25 Unterschriftsfelder anlegten.

Bevor ich zur Prüfung des von den Personenschützern aufgenommenen Protokolls übergehe: Am 16. Juli sagten nach İrfan Paksoy 8 der übrigen 24 Personenschützer aus; auch auf diese Aussagen möchte ich kurz eingehen. Denn sowohl İrfan Paksoy als auch diese Personenschützer unterzeichneten das am 18. Juli aufgenommene Protokoll. Doch in ihren früheren Aussagen hatten sie einige Punkte anders dargestellt. Zum Beispiel unterzeichneten İrfan Paksoy und 6 der 8 PersonenschützerDie übrigen 2, M. Bayrak und H. Eroğlu, machten hierzu keine Zeitangabe., obwohl sie in ihren Aussagen vom 16. Juli angaben, der Staatspräsident sei um 23:30 Uhr abgereist, auch das Protokoll, in dem steht, er sei um 01:00 Uhr abgereist. Außerdem sagte der Leiter des Personenschutzes Murat Bayrak in seiner Aussage vom 16. Juli „wir versammelten uns in 3 Zimmern", während sie im Protokoll sagten, sie hätten sich in den Villen Nr. 1782 und 1785 versammelt. Murat Bayrak sollte später, in seiner Aussage vom 28. Juli, mit den Worten „wir hielten die Richtung Lobby, Küste und Zimmer Nr. 1922" erneut angeben, sie hätten sich in 3 verschiedenen Bereichen aufgehalten. Dass sie in Aussagen, die sie im Abstand von ein, zwei Tagen machten, auf klare Fragen — wann der Staatspräsident abreiste, in welchem Zimmer sie sich befanden — höchst unterschiedliche Antworten gaben, ist völlig unplausibel.

Sagen wir auch dies, bevor wir das Protokoll im Einzelnen untersuchen: Das Gericht entschied, dass Mehmet Çetin auf dem Balkon der Villa Nr. 1782 angeschossen wurde, doch in diesem von den Personenschützern in der Villa Nr. 1782 aufgenommenen Protokoll findet sich dazu keine Angabe.

Betrachten wir nun den Text des Protokolls: Bemerkenswert sind die Formulierungen „… als sich militärische Personen in militärischer Tarnkleidung, mit verdecktem Gesicht, voll ausgerüstet, mit Langwaffen bewaffnet und mit Gasmasken näherten …" und „von den Soldaten wurde eine Gasgranate dorthin geworfen, wo er sich befand". Denn bei den Durchsuchungen — an den Soldaten, im Hotelbereich, im Gelände, in den Hubschraubern und auf dem Luftwaffenstützpunkt Çiğli, wo sie vor ihrer Anreise nach Marmaris ihre Ausrüstung übernahmen — wurden weder Gasmasken noch Gasgranaten gefundenMarmaris Tatortuntersuchungsbericht (vollständiger Text): Tatortuntersuchungsbericht Marmaris (vollständig) — physisch nicht als Anlage beigefügt,. Çiğli Tatortuntersuchungsbericht (Ankara Kriminal): Tatortuntersuchungsbericht Çiğli.. Zudem wurde im Tatortuntersuchungsbericht nur festgestellt, dass seitlich des Balkons der Villa Nr. 1782 eine Handgranate gezündet wurde. Dass an irgendeinem anderen Ort im Hotel eine Bombe geworfen wurde, wurde nicht festgestelltTatortuntersuchungsbericht: die Fundorte der Blutspuren im Turban-Hotel: Tatortuntersuchungsbericht..

Im Protokoll findet sich ferner die Formulierung: „… als wir als Personenschutzpersonal nach und nach kapitulierten, wurde gehört, wie einer der Soldaten, an einen unserer Kameraden außerhalb des Zimmers gerichtet, laut ‚Du schießt also auf einen Soldaten, Polizist, Polizist!' rief und daraufhin zwei Schüsse abgab." Keiner der 22 Personenschützer sagt in seinen Aussagen, dass er selbst die Person sei, auf die einer der Soldaten schrie und schoss. Daher ist mit dieser Person wahrscheinlich Mehmet Çetin gemeint. Doch nach der Obduktion, der Leichenschau und der Kleidungsuntersuchung Mehmet Çetins weist sein Körper mindestens 6 Treffer auf: 1 am Arm, 2 an der Schürfwunde am Ellbogen, mindestens 1 am rechten Bein und 2 am Rücken. Geht man davon aus, dass alle abgegebenen Schüsse trafen, müssen mindestens 6 Schüsse abgegeben worden sein. Selbst wenn wir annehmen, dass 4 der Schüsse im ersten Gefecht fielen — Mehmet Çetin sei auf dem Balkon verwundet worden — und zwei später fielen: Hat Mehmet Çetin, als er verwundet wurde, denn nicht einmal „Ah" gesagt, dass die Personenschützer im Zimmer nichts davon erwähnten, dass ihr Kamerad im ersten Gefecht verwundet wurde? Zudem zeigt das Fehlen einer Blutspur von Mehmet Çetin im Umkreis der Villa Nr. 1782, dass Mehmet Çetin nicht außerhalb der Villa Nr. 1782 getötet wurde. Folglich erscheint diese Sache mit den zwei abgegebenen Schüssen nicht stimmig — sie kommt in den 9 Aussagen, die die Personenschützer am 16. Juli machten, nicht vor und wird auch in den späteren Aussagen nicht vorkommen, mit Ausnahme allein der Aussage Eda Kol Yüksels vom 27. Juli und ihrer Erklärung im RaubverfahrenAussagen von dreizehn Personenschützern der Präsidentschaft vom 27. und 28.07.2016: Aussagen von dreizehn Personenschützern der Präsidentschaft vom 27. und 28. Juli 2016..

Im Protokoll werden sodann die Ereignisse geschildert, die sie nach dem Abzug der Soldaten aus dem Hotel erlebt zu haben behaupten: „Nachdem sich die uniformierten Putschsoldaten von dem Ort, an dem sich das Personenschutzpersonal befand, entfernt hatten, wurden dem Personenschutzpersonal die Handschellen abgenommen, das gesamte Personal versammelte sich erneut im Zimmer. Es wurde gesehen, dass Mehmet Çetin am vorderen Teil des Balkons des Zimmers angeschossen am Boden lag; sofort wurde Erste Hilfe geleistet und der 112 gerufen mit der Bitte, dringend zum Hotel zu kommen. Während die Polizeibeamten Mehmet ÇETİN, Hamza EROĞLU und Serhat KARAKUŞ mit dem am Tatort eingetroffenen Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht wurden, wurde gegen 04:15 Uhr aus einem Kampfhubschrauber auf den Krankenwagen und das dort befindliche Personenschutzpersonal gefeuert. Während der Angriff andauerte, ließ der Fahrer des Krankenwagens sein Fahrzeug zurück und floh vom Tatort; der Krankenwagen und die darin befindlichen Verletzten blieben unter Feuer. Während dieser zweite Angriff andauerte, zerstreute sich das Personenschutzpersonal, und nachdem Sondereinsatzpolizisten am Tatort eingetroffen waren und den Putschsoldaten Widerstand geleistet hatten, verließen die Putschsoldaten den Tatort. Der zweite Angriff dauerte etwa eine Stunde. Als der Angriff endete, kam der Fahrer des Krankenwagens zum Tatort und brachte die Verletzten ins Krankenhaus." Doch auch diese Schilderung stimmt nicht mit den Tatsachen überein. Nach den Sicherheitskameraaufnahmen des Hotels verlassen die Soldaten das Hotel gegen 04:15 Uhr (Kameraaufzeichnungen des Turban-Hotels, die die Abfahrt des Dienstfahrzeugs und die Ankunft der Soldaten zeigen (aus dem DVR-Geräte-Untersuchungsbericht der Adli Bilişim Şube Müdürlüğü) S. 17/21). Im Protokoll hingegen wird geschildert, die Soldaten seien weggegangen, die Personenschützer hätten ihre Handschellen gelöst, Mehmet Çetin gesucht und gefunden, den 112 gerufen; der Krankenwagen habe zunächst wegen des Gefechts nicht kommen können, sei dann gekommen, sie hätten die Verletzten in den Krankenwagen gebracht, und dann sei gegen 04:15 Uhr der Hubschrauber gekommen und habe gefeuert. Da die Soldaten das Hotel gegen 04:15 Uhr verließen, ist es nicht möglich, dass Mehmet Çetin zu diesem Zeitpunkt bereits in den Krankenwagen gebracht worden war. Obendrein liegt schon der Zeitpunkt des ersten Anrufs für einen Krankenwagen für Mehmet Çetin bei 04:38 Uhr. Der erste Krankenwagen traf gegen 04:46 Uhr am Turban-Hotel ein und fuhr rasch wieder ab, der zweite Krankenwagen traf um 04:54 Uhr ein. Die Behauptung stimmt daher nicht mit den Tatsachen überein. (Kameraaufzeichnungen des Turban-Hotels, die die Abfahrt des Dienstfahrzeugs und die Ankunft der Soldaten zeigen (aus dem DVR-Geräte-Untersuchungsbericht der Adli Bilişim Şube Müdürlüğü) S. 17-19)

Die Behauptung im Protokoll stimmt auch mit den Hubschrauberbewegungen nicht überein. Die Soldaten kamen gegen 03:03 Uhr mit drei Hubschraubern nach Marmaris — zwei vom Typ Cougar und einer vom Typ Sikorsky: der Cougar-Hubschrauber mit Zeki Göçmen als erstem Piloten, in dem sich das MAK-Team unter dem Kommando von Gökhan Şahin Sönmezateş und Taner Berber befand; der Cougar-Hubschrauber mit Murat Dağlı als erstem Piloten, in dem sich das MAK-Team unter dem Kommando von Zekeriya Kuzu befand; und der Sikorsky-Hubschrauber mit Ali Aktürk als erstem Piloten, in dem sich das Spezialkräfte-Team unter dem Kommando von Şükrü Seymen sowie 2 Kommandosoldaten der SAT (Unterwasserangriff-Kommando) befanden. Die Bewegungen dieser Hubschrauber in Marmaris in jener Nacht sind im Folgenden angegebenDie Hubschrauberbewegungen wurden anhand von Aussagen, Kameraaufnahmen, den Notrufen an 112, 155 und 156, Beiträgen in den sozialen Medien und den Aufzeichnungen des Küstenwachbootes ermittelt, das in jener Nacht vor Marmaris die zur Verteidigung eingesetzten Hubschrauber verfolgte.:

Die Bewegungen des Cougar-Hubschraubers von Zeki Göçmen in Marmaris in jener Nacht:

  • 03:05–03:10 Landeversuch auf dem Turban-Parkplatz, Durchstarten.
  • 03:20 Landung/Sinkflug/Absetzen von Soldaten auf dem Feld hinter dem Casa de Maris.
  • 03:20–03:40 Orbit über den HotelsOrbit: Verharren in niedriger Höhe..
  • 03:40–04:00 Orbit über dem Meer.
  • 04:00–04:16 Landung auf dem Feld hinter dem Casa de Maris, Warten auf das Eintreffen des Teams.
  • 04:16 Start wegen Treibstoffmangels und Verlegung nach Imsık.

Die Bewegungen des Cougar-Hubschraubers von Murat Dağlı in Marmaris in jener Nacht:

  • 03:10 Landung/Absetzen von Soldaten hinter dem Casa de Maris.
  • 03:10–03:50 Orbit über dem Meer.
  • 03:50 Verlegung nach Dalaman wegen Treibstoffmangels (als bekannt wurde, dass die Sikorsky in Dalaman ein Problem hatte, drehte er auf halbem Weg nach Norden ab und verlegte nach Imsık.)

Die Bewegungen des Sikorsky-Hubschraubers in Marmaris in jener Nacht:

  • 03:15 Landung/Sinkflug/Absetzen von Soldaten auf dem Feld hinter dem Casa de Maris.
  • 03:15–03:35 Verlegung nach Dalaman wegen Treibstoffmangels.
  • 04:45 Betankung in Dalaman.
  • 04:55 Verlegung von Dalaman nach Marmaris, um die Soldaten aufzunehmen.
  • 05:10–05:30 Hotelbereich (Gefecht).
  • 05:30–05:50 Verlegung nach Imsık, da sich ein Verletzter im Hubschrauber befand.

Da die Hubschrauber unter Treibstoffmangel litten, verließen nacheinander die Sikorsky um 03:15 Uhr, der von Murat Dağlı geflogene Cougar um 03:50 Uhr und zuletzt der Cougar mit Zeki Göçmen und Gökhan Şahin Sönmezateş um 04:16 Uhr das Gebiet, um aufzutanken. Von 04:16 bis 05:10 Uhr gibt es in Marmaris keinen Hubschrauber. Im Protokoll hingegen wird erwähnt, dass um 04:15 Uhr der Hubschrauber auf den Krankenwagen gefeuert habe. Wie oben gesagt, ist diese Behauptung, da die Soldaten das Hotel gegen 04:15 Uhr verließen und es beim Abzug der Soldaten nicht möglich gewesen sein kann, dass Mehmet Çetin bereits in den Krankenwagen gebracht worden war, zeitlich und im Ablauf der Ereignisse nicht stimmig. Zudem steht auch fest, dass der Hubschrauber nicht gefeuert hat. Der Hubschrauber landete auf dem Feld hinter dem Casa de Maris, um die im Turban-Hotel befindlichen Soldaten aufzunehmen, und wartete von etwa 04:00 bis 04:16 Uhr. Der Beweis dafür, dass er um 04:16 Uhr hinter dem Casa de Maris abhob und in Richtung Muğla wegflog (das Turban-Hotel liegt in der entgegengesetzten Richtung) und dass er beim Wegfliegen nicht — wie die Personenschützer im Protokoll angeben — um 04:15 Uhr feuerte, sind die Kameraaufzeichnungen des auf See befindlichen KüstenwachbootesKameraaufzeichnung, die den Abflug des Cougar-Hubschraubers von Zeki Göçmen um 04:16 Uhr zeigt. In der Aufzeichnung ist zu sehen, dass das Bootspersonal nicht festgestellt hat, dass der Hubschrauber gefeuert hätte. Link: Der Hubschrauber verlässt Marmaris um 04:16 Uhr.

Im Ergebnis gilt für das von den Personenschützern am 18. Juli aufgenommene Protokoll:

  • Es enthält offenkundige Widersprüche, wenn man es mit den Aussagen vergleicht, die dieselben Personenschützer am 16., 27. und 28. Juli machten;
  • es steht im Widerspruch zu den Aufzeichnungen der Tatortuntersuchung;
  • der Umstand „des außerhalb des Zimmers gehörten Geräuschs zweier Schüsse", der mit dem Tod Mehmet Çetins in Verbindung gebracht werden soll, kommt in den Aussagen, die dieselben Personenschützer am 16., 27. und 28. Juli machten, in keiner einzigen — mit einer Ausnahme — vor; wenn sich der Vorfall so zugetragen hätte, warum haben sie es in ihren Aussagen dann nicht so geschildert? Zudem steht die Behauptung „des außerhalb des Zimmers gehörten Geräuschs zweier Schüsse" im Widerspruch zum Ablauf der Ereignisse und zu den Verletzungen, die Mehmet Çetin erlitt;
  • im Protokoll wird geschildert, ein Hubschrauber habe gegen 04:15 Uhr, nachdem Mehmet Çetin und die anderen Verletzten in den Krankenwagen verladen worden seien, auf den Krankenwagen mit den Verletzten gefeuert. Gegen 04:15 Uhr gibt es in Marmaris nur einen einzigen Hubschrauber. Dieser ist auf dem Feld hinter dem Casa-de-Maris-Hotel gelandet und wartet auf das Eintreffen der Soldaten. Da ihm jedoch der Treibstoff auszugehen droht, hebt er um 04:16 Uhr von seinem Standort ab und verlegt, in die dem Turban-Hotel entgegengesetzte Richtung fliegend, nach Imsık. Es war ihm nicht möglich, auf das Turban-Hotel zu feuern, und auch das diese Momente filmende Küstenwachpersonal hat nicht festgestellt, dass er gefeuert hätte.

Kurz gesagt, wie die erste Behauptung zum Tod Mehmet Çetins — die Behauptung İrfan Paksoys — spiegelt auch die im Protokoll vom 18. Juli enthaltene Behauptung der Personenschützer, „während wir kapitulierten, hörten wir, wie ein Soldat außerhalb des Zimmers auf Mehmet Çetin feuerte", nicht die Wahrheit wider.

Die Behauptung in Murat Bayraks Aussage bei der Staatsanwaltschaft

Murat Bayrak sagte in seiner Aussage vom 16. Juli (Aussage Murat Bayraks als Geschädigter vom 16.07.2016) in Bezug auf Mehmet Çetin lediglich, sie hätten ihn vor dem Balkon der Villa Nr. 1782 verwundet gefunden. Die Einzelheiten zum Tod Mehmet Çetins lieferte İrfan Paksoy (Aussage İrfan Paksoys als Geschädigter vom 16.07.2016), der angab, Augenzeuge zu sein. Während im daraufhin am 18. Juli unterzeichneten Protokoll (Gemeinsames Protokoll der Personenschützer vom 18.07.2016) die Personenschützer — unter ihnen Murat Bayrak — angaben, sie hätten gehört, wie einer der Soldaten außerhalb des Zimmers zwei Schüsse auf einen Polizisten abgab, und ihn dann vor dem Balkon der Villa Nr. 1782 verwundet gefunden hätten, erwähnte Murat Bayrak in seiner am 28. Juli 2016 bei der Staatsanwaltschaft Muğla gemachten Aussage (Aussage Murat Bayraks bei der Staatsanwaltschaft vom 28.07.2016) das Hören zweier Schüsse außerhalb des Zimmers nicht, sondern fügte stattdessen hinzu, die Sondereinsatzpolizisten Mehmet Çetin und İrfan Paksoy hätten auf den Villenbalkonen für Sicherheit gesorgt. Dass Murat Bayrak — während er und İrfan Paksoy in ihrer Aussage bei der Polizei keine näheren Angaben machten — im Protokoll angab, das Geräusch zweier Schüsse gehört zu haben, in seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft dann von dem Schussgeräusch abrückte und angab, Mehmet Çetin sei auf dem Balkon gewesen, ist nicht normal.

Das Gericht erklärte schließlich in Übereinstimmung mit dieser letzten Aussage, dass Mehmet Çetin, der sich während des ersten Gefechts zwischen den Soldaten und den Personenschützern auf dem Balkon der Villa Nr. 1782 befand, von den Soldaten getötet wurde. Hierzu:

Das Erste, was sich sagen lässt, ist, dass sich weder auf dem Balkon der Villa Nr. 1782 noch vor dem Balkon eine Blutspur von Mehmet Çetin findet.

Zweitens: Wäre Mehmet Çetin während des ersten Gefechts auf dem Balkon der Villa angeschossen worden, so wäre es unmöglich, dass die Personenschützer im Inneren der Villa dies nicht bemerkten. Der gemeinsame Punkt in all ihren Aussagen ist, dass sie Mehmet Çetin verwundet fanden. Ist es möglich, dass Mehmet Çetin, während sich Murat Bayrak und die übrigen Personenschützer im Inneren der Villa befanden, bei seiner Verwundung auf dem Balkon überhaupt keinen Laut von sich gab — und dass, falls er wenigstens beim ersten Treffer einen Laut von sich gab, die im Inneren der Villa Befindlichen diesen nicht hörten?

Drittens: Murat Bayrak sagt in beiden Aussagen — also in denen vom 16. und vom 28. Juli —, sie hätten sich, nachdem die Soldaten weggegangen waren, an dem Ort, an den die Soldaten sie gebracht hatten, von den Handschellen an ihren Händen befreit und einen Appell durchgeführt; in seiner ersten Aussage habe er nur Mehmet Çetin nicht erreicht, in der zweiten Aussage Mehmet Çetin und Uğur Göküz, und Uğur Göküz sei später gekommen.

Im Ergebnis zeigt sich, dass auch diese Behauptung in Murat Bayraks Aussage bei der Staatsanwaltschaft nicht stimmig ist.

Die Aussagen des Leiters des Personenschutzes Murat Bayrak

Murat Bayraks erste Aussage

Betrachten wir die Aussagen der übrigen Personenschützer, so schildert der Vorgesetzte der dort anwesenden Personenschützer, Emniyet Amiri Murat Bayrak — der unmittelbar nach İrfan Paksoy, am 16. Juli zwischen 08:10 und 09:03 Uhr, bei der Kreispolizeidirektion Marmaris aussagte —, den Vorfall zusammengefasst wie folgtAussage Murat Bayraks als Geschädigter vom 16.07.2016: Aussage Murat Bayraks als Geschädigter vom 16.07.2016.:

„Nachdem wir unseren Staatspräsidenten mit dem Hubschrauber der Präsidentschaft zum Flughafen Dalaman verabschiedet hatten, versammelten wir uns, damit ihre Evakuierung leichter würde, in 3 Zimmern; in den späten Nachtstunden erfuhr ich von meinen Kameraden, dass 3–4 Hubschrauber gekommen waren; wir bestätigten, dass es Militärhubschrauber waren; ich sagte meinen Kameraden, sie sollten bereit sein; wir bezogen an beherrschenden Punkten Stellung; zusammen mit Hamza Eroğlu und Süleyman Küççükerdoğan sicherten wir den Weg; als die Soldaten gegenüber dem kleinen Flur kamen, an dem ihre Zimmer lagen, forderte ich die Soldaten auf, sich zu ergeben; auf meine Aufforderung erwiderten sie mit Feuer; da heftiges Feuer kam, sagte ich denen bei mir, sie sollten ins Zimmer gehen; sie warfen einen Feuerlöscher an unseren Türeingang und schossen; sie warfen eine Gasgranate hinein; da Hamza Eroğlu verwundet wurde, ergab ich mich und sagte: Wir haben einen Verwundeten, lasst uns den Verwundeten herausholen. Der Soldat, dessen Namen ich später als Şükrü Seymen erfuhr, begann, mich zu schlagen und zu fragen, wo der Staatspräsident sei. Dabei lag ich mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. In dieser Zeit dauerte das Gefecht zwischen den Soldaten und meinen Kameraden an. Sie warfen eine Handgranate hinein, es wurde übermäßig hell. Dann warfen sie eine Handgranate auf den kleinen Weg, an dem die Tür lag. Sie fesselten meine Kameraden einen nach dem anderen mit auf den Rücken gedrehten Händen und brachten sie zu mir. Als die Soldaten das Hotel verließen und die Hubschraubergeräusche verstummten, stand ich auf und rief nach den Kameraden; nur Mehmet Çetin erreichte ich nicht; wir fanden Mehmet Çetin vor dem Balkon des Zimmers Nr. 1782 an drei Stellen getroffen: durch ein Geschoss am Bein, durch zwei Geschosse an der Brust. Wir sprachen mit dem 112; er sagte, er habe die Krankenwagen geschickt. Um einen Evakuierungsplan zu machen und Mehmet Çetin medizinisch zu versorgen, warteten wir in unseren Zimmern. Nach einer Weile kam der 112. Ich schickte die Fahrer-Kameraden zu ihren Fahrzeugen. Ich sagte den Einsatzkräften, sie sollten mir folgen. Wir liefen zu den Villen; dabei kam der Hubschrauber und begann zu feuern. Wir liefen in Richtung Lobby. Wir gingen in das erste Zimmer, das wir sahen."

Murat Bayraks zweite Aussage

Murat Bayrak wiederum schildert denselben Vorfall in seiner Aussage, die er am 28. Juli 2016 in seiner Eigenschaft als Geschädigter bei der Staatsanwaltschaft Muğla machteAussage Murat Bayraks als Geschädigter bei der Staatsanwaltschaft Muğla vom 28.07.2016. und die er mit den Worten „Ich hatte in dieser Sache auch der Polizei eine Aussage gemacht. Auch jene Aussage ist richtig." begann, wie folgt:

„Wir verabschiedeten unseren Staatspräsidenten gegen 01:00 Uhr mit dem Hubschrauber des Ministerpräsidentenamts zum Flughafen Dalaman. Als wir um 03:15 Uhr über dem Hotel Hubschraubergeräusche hörten, nahmen wir unsere Langwaffen. Zu dieser Zeit befanden wir uns in den Zimmern Nr. 1782 und 1785. Wir bezogen in Richtung Hotellobby, Küste und Zimmer Nr. 1922 Stellung; während ich mit Hamza Eroğlu und Süleyman Küççükerdoğan zusammen war, forderte ich, als die Soldaten aus Richtung der Lobby kamen, die Soldaten auf, sich zu ergeben; auf meine Aufforderung erwiderten sie mit Feuer; da heftiges Feuer kam, sagte ich denen bei mir, sie sollten in das Zimmer Nr. 1782 gehen; dabei warfen die Soldaten eine Gasgranate, Hamza Eroğlu wurde verwundet. Dabei ging auch ein Teil unserer Kameraden in das Zimmer. Doch unsere Kameraden von der Sondereinsatzpolizei, die auf den Villenbalkonen für Sicherheit sorgten, blieben an ihren Plätzen. Ich hörte eine Stimme, die verlangte, es werde eine Bombe hineingeworfen, wir sollten uns ergeben; ich ergab mich und sagte: Wir haben einen Verwundeten, lasst uns den Verwundeten herausholen. Die Soldaten begannen, mich zu schlagen und zu fragen, wo der Staatspräsident sei. Dabei lag ich mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. Sie hatten mich neben den 10–15 Meter entfernten Relax-Pool gebracht. In dieser Zeit dauerte das Gefecht zwischen den Soldaten und meinen Kameraden an. Sie warfen eine Blendgranate, es wurde übermäßig hell, ich hörte das Geräusch brechenden Glases. Auch zur Balkonseite warfen sie eine Handgranate. Sie fesselten meine Kameraden einen nach dem anderen mit auf den Rücken gedrehten Händen und brachten sie zu mir. Als die Soldaten das Hotel verließen, kontrollierten wir alle. Uğur Göküz und Mehmet Çetin fehlten. Uğur kam später. Mehmet war während des Vorfalls auf dem Balkon. Deshalb ging ich in die Nähe des Balkons, und wir fanden Mehmet Çetin vor dem Balkon des Zimmers Nr. 1782 getroffen. Wir sprachen mit dem 112; ein Kamerad von mir sagte, das Personal des 112 habe geäußert ‚man lässt uns hier nicht weg', doch 15 Minuten später kam der Krankenwagen. Sie versorgten Mehmet Çetin und meine zwei anderen verwundeten Kameraden. Nachdem die Krankenwagen weggefahren waren, wandten wir uns zum Parkplatz, um zur Kreispolizeidirektion zu fahren; dabei kam der Hubschrauber und begann zu feuern. Wir liefen in Richtung Lobby. Wir gingen in das erste Zimmer, das wir sahen."

Wenn wir Murat Bayraks Aussagen zusammen mit derjenigen İrfan Paksoys bewerten, sagt Murat Bayrak in beiden Aussagen, er habe nach dem Abzug der Soldaten einen Appell durchgeführt und in seiner ersten Aussage nur Mehmet Çetin, in der zweiten Aussage Mehmet Çetin und Uğur Göküz nicht erreicht. Auch dies steht uns als ein — wenn auch kleiner — Widerspruch zwischen den Aussagen gegenüber. Das heißt, dies bedeutet, dass İrfan Paksoy dort war. İrfan Paksoy hingegen sagt, er habe gesehen, wie Mehmet Çetin angeschossen wurde, und sei zu seinen Kameraden gegangen. Während Paksoy derjenige gewesen wäre, der nach dem Weggehen der Soldaten als Erster nach Mehmet Çetin hätte suchen und fragen müssen, und der die anderen hätte anleiten müssen, sagt Bayrak, sie hätten nachgesehen, wer da gewesen sei und wer nicht, und bemerkt, dass Mehmet Çetin nicht da gewesen sei. Warum sagt İrfan Paksoy in diesem Fall nicht, dass Mehmet Çetin angeschossen wurde, sondern muss Murat Bayrak einen Appell durchführen?

Vergleichen wir Murat Bayraks Aussagen miteinander und mit der İrfan Paksoys, so zeigt sich, dass zwischen ihnen sowohl untereinander als auch mit den Tatsachen Widersprüche bestehen.

Dass die Personenschützer zum Tod Mehmet Çetins unwahre Aussagen machten, legt den Gedanken nahe, dass sie an dem Vorfall beteiligt gewesen sein könnten.

Die übrigen Personenschützer-Aussagen vom 16. Juli 2016

Am 16. Juli sagten bei der Kreispolizeidirektion Marmaris nach İrfan Paksoy und Murat Bayrak noch 7 weitere Polizisten aus. Auch sie gaben die Abreisezeit des Staatspräsidenten wie İrfan Paksoy mit 23:30 Uhr an. Die Ankunftszeit der Soldaten per Hubschrauber gaben sie jedoch — anders als İrfan Paksoy — mit etwa 03:00 bis 03:30 Uhr an.

Zudem gaben die Personenschützer, die am 16. Juli 2016 aussagten, an, sie hätten im Turban-Hotel als ein 25-köpfiges Personenschutzteam Dienst getan. Auch ihr Vorgesetzter Murat Bayrak, der am 28. Juli bei der Staatsanwaltschaft aussagte, sagte: „Wir taten insgesamt als ein Team von 25 bis 26 Personen Dienst".

Von den Personenschützern, die im Turban-Hotel geblieben waren, obwohl Erdoğan es verlassen hatte, wurde am 18. Juli ein Protokoll aufgenommenGemeinsames Protokoll der Personenschützer vom 18.07.2016: Gemeinsames Protokoll der nach Erdoğans Abreise im Hotel verbliebenen Personenschützer vom 18.07.2016.. Im Protokoll gab es 25 Unterschriften, in Übereinstimmung mit der Formulierung „wir taten als 25-köpfiges Personenschutzteam Dienst" in den Aussagen der Personenschützer vom 16. Juli. Doch die Personenschützerinnen Duygu Yılmaz und Eda Kol Yüksel hatten zweimal unterschrieben. Das heißt, im Protokoll gab es 23 verschiedene Unterschriften zuzüglich der zweiten Unterschriften der Personenschützerinnen, also insgesamt 25 Unterschriften. Obwohl die Personenschützerinnen an 12. und 18. Stelle unterschrieben hatten, leisteten sie — wohl um die Zahl der Unterschriften auf 25 zu bringen — auch die 24. und 25. Unterschrift. Die Personalnummer und Unterschrift an 12. und 24. Stelle sind identisch und gehören Eda Kol Yüksel, die Personalnummer und Unterschrift an 18. und 25. Stelle sind identisch und gehören Duygu Yılmaz.

Obwohl dieser Umstand von einem der Angeklagten, Mehmet Öztürk, vor Gericht zur Sprache gebracht wurdeMarmaris-Verfahren zum 15. Juli, begründetes Urteil (2. Strafgericht für schwere Strafsachen in Muğla, 2016/277 E., 2017/253 K.): Begründetes Urteil, S. 729 — Mehmet Öztürks Erklärung vor Gericht zu den Widersprüchen bei den Unterschriften., wurde weder das zweimalige Unterschreiben der Personenschützerinnen noch die Frage, warum die Aussage des im Protokoll unterzeichnenden Bülent Yalçın nicht aufgenommen wurde, vom Gericht untersucht.

Im Protokoll gab es die Unterschriften von 23 Personen. Obwohl von den übrigen 22 Personenschützern jeweils eine Aussage aufgenommen wurde, wurde die Aussage des Bülent Yalçın, der das Protokoll unterzeichnete, nicht aufgenommen. Zudem weckte der Umstand, dass sie zwar angaben, 25 Personen zu sein, aber nur 22 Personen aussagten, den Verdacht, dass es 3 Personen gab, die sich der Aussage entzogen, um nicht in den Umfang der Ermittlung zu geraten.

Zum Beispiel übergab der Personenschützer der Präsidentschaft Ümit Mergen, der unmittelbar nach dem am Morgen des 16. Juli beendeten Vorfall am Tatort Nachforschungen anstellte, der Kreispolizeidirektion die Gegenstände, die er nach eigener Erklärung in einem Müllbeutel gefunden hatte, und das entsprechende Protokoll wurde um 08:55 Uhr unterzeichnetSicherstellungsprotokoll über die von Ümit Mergen übergebenen Gegenstände: Sicherstellungsprotokoll über die Gegenstände, die Ümit Mergen der Kreispolizeidirektion Marmaris übergab (18.07.2016).. War Ümit Mergen, der Personenschützer der Präsidentschaft, der unmittelbar nach dem Vorfall am Tatort Nachforschungen anstellte, einer der 25 im Hotel verbliebenen Personenschützer — und wenn ja, warum sagte er dann nicht aus?

Ebenso übernahm am Morgen des 16. Juli, im Anschluss an den Vorfall, gegen 09:20 Uhr Enver Çoban aus dem Personenschutzteam der Präsidentschaft bei der Leichenschau für den im Dienst getöteten Mehmet Çetin die Aufgabe des IdentifizierungszeugenProtokoll der Leichenschau und Obduktion (Mehmet Çetin & Nedip Cengiz Eker, 16.07.2016, Marmaris): Für Mehmet Çetin und Nedip Cengiz Eker ausgefertigtes Protokoll der Leichenschau und Obduktion.. Was hatte Enver Çoban, der angab, während des Vorfalls andernorts im Dienst gewesen zu sein, um 09:20 Uhr in Marmaris zu suchen — oder war er einer der drei Personen, die sich der Aussage entzogen?

Im Protokoll war zum Staatspräsidenten vermerkt: „gegen 01:00 Uhr wurde seine Evakuierung sichergestellt". Dieses Protokoll unterzeichneten auch İrfan Paksoy und 7 Polizeibeamte, die in ihren Aussagen vom 16. Juli angaben, der Staatspräsident sei um 23:30 Uhr abgereist. Ebenso war im Protokoll als Zeit, zu der der Hubschrauber die Soldaten brachte, etwa 03:00 Uhr vermerkt. Obwohl İrfan Paksoy zuvor von der Zeit zwischen 00:00 und 00:30 Uhr gesprochen hatte, unterzeichnete er das Protokoll, das diese Zeit mit etwa 03:00 Uhr angab. Zudem wurden die Ereignisse im Protokoll im Wesentlichen ähnlich wie in der Aussage Murat Bayraks vom 16. Juli geschildert. Während Murat Bayrak und die 7 weiteren aussagenden Polizisten in ihren Aussagen vom 16. Juli nicht erwähnten, wie Mehmet Çetin getötet wurde, hielten sie in diesem gemeinsam aufgenommenen Protokoll — anders als İrfan Paksoy, der von sich behauptet, der einzige Augenzeuge des Geschehens zu sein, und anders als das begründete Urteil des Gerichts — fest, sie hätten gehört, wie ein Soldat, während sich die Personenschützer ergaben, an einen ihrer Kameraden außerhalb des Zimmers gerichtet laut „Du schießt also auf einen Soldaten, Polizist, Polizist!" rief und daraufhin zwei Schüsse abgabGemeinsames Protokoll der Personenschützer vom 18.07.2016: Gemeinsames Protokoll der nach Erdoğans Abreise im Hotel verbliebenen Personenschützer vom 18.07.2016.. Dieses Protokoll, das mit der Schilderung in seiner eigenen Aussage vom 16. Juli nicht übereinstimmt, hat İrfan Paksoy unterzeichnet.